Special-Feature:


WSC24 – Rennbericht

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Gefühlte 2 Jahre später nun endlich mein Rennbericht zur WM. Mittlerweile sind wir auch wieder zurück in der Schweiz und ich habe mal wieder einen Besuch im Spital hinter mir: Die Schrauben und Platten welche mir vor gut einem Jahr eingepflanzt wurden, sind nun wieder draussen!

411 Starter, 16 Nationen, 20 km/550 hm-Kurs – soweit die Eckdaten des Abenteuers, das am 9./10. Oktober am Mt. Stromlo in Canberra (AUS) über die Bühne ging. Eines war nach Überleben des 23-stündigen Fluges, Überdauern des Jetlags, Hadern mit dem Linksverkehr und Zurechtfinden in fremden Städten, Supermärkten und Hotels von vornherein klar: ein Rennen im klassischen Sinne konnte das keines werden. Zu vielfältig die Eindrücke und Stressmomente um überhaupt auf dem Boden bleiben zu können.

Freitag, 24h bis D-Day

Der obligatorische Stress-Tag: Registration, Briefing, danach zur letzten Streckenbesichtigung und Bezug der Box im Stromlo Forestpark – dort, wo letztes Jahr die XC-Fahrer noch um den WM-Titel gekämpft haben und ein heftiges Buschfeuer vor wenigen Jahren die komplette Neugestaltung eines ganzen Berges ermöglicht bzw. notwendig gemacht hat – unzählige Kilometer MTB-Trails inklusive: Eisig-windige zehn Grad, hunderte Zelte, tausende Menschen. Das hier ist kein Kindergarten. Das ist DIE Weltmeisterschaft. Während in Europa noch jeder sein eigenes kleines Zeltchen irgendwo an die Strecke stellt um eine optimale Betreuung zu gewährleisten, gibt es hier eine richtige Boxengasse, welche locker ein Fussballfeld füllt. Jedem Fahrer steht ein exakt 3x3m grosses Zelt zur Verfügung mit Strom, Licht, Tisch und Stühlen. Wer rein will, braucht einen «Pit Row Pass». Punkt. Keine Ausnahmen. Die Favoriten haben ihre Box ganz vorne zugewiesen bekommen, dann folgen wir. Umgeben von Amerikanern, Kanadiern, Engländern, Argentiniern, Österreichern und natürlich Australiern richten wir unsere Box ein. Die Profis haben mehr Material und Bikes dabei als zu Hause in meiner Werkstatt umherliegt.

Samstag, 11:45 Uhr

Das wahre Ausmass der 24-Stunden-WM offenbart sich allerdings erst am nächsten Tag beim Start: Schier endlos scheint die Reihe an Athleten, die erst rennend, dann fahrend aus der Transition Area starten. Von den Massen an Teamfahrern, die 15 Minuten später auf einen völlig anderen Kurs gehen, ganz zu schweigen.
Was wir bei der Streckenbesichtigung am Tag zuvor festgestellt haben, bewahrheitet sich umgehend auf den ersten Metern: Der Kurs ist «somewhat technical», wie die Aussies hier sagen würden. «Wir haben alle technisch schwierigen Passagen rausgenommen», erklärt Renndirektor Russel Baker. Mir scheint eher so, als ob noch extra mit dem Bagger Schwierigkeiten eingebaut wurden…

Und tatsächlich herrscht ein bemerkenswertes fahrtechnisches Niveau im Feld. Im ersten Aufstieg – der locker eine halbe Stunde dauert –  fühle ich mich wie auf einer Achterbahn. Mit Vollgas gehts durch die engen, sandig-steinigen Trails und verblockten Spitzkehren. Geschenkt wird einem hier kein einziger Millimeter. Wer die falsche Linie wählt, liegt entweder schlagartig im Gebüsch oder aber zumindest 5 Plätze weiter hinten.

Zwei mal geht es über den Berg. Nach der ersten, heftigen Abfahrt der gefühlten Kategorie «Hors Class» gehts umso steiler wieder hoch, zurück auf den höchsten Punkt. Wenigstens passt die Übersetzung gerade noch so. Die Aussicht über das Hinterland von Canberra lässt sich leider nicht geniessen, denn die nun folgende Abfahrt ist zwar einfacher, aber umso schneller. Unzählige Steilwandkurven – sicher 50 an der Zahl – führen geradewegs zurück in die «World Solo Pit Row». Ein durchschnittliches Crosscountry-Rennen wäre nun vorbei. Hier gehts aber erst richtig los.

Samstag, 18 Uhr

Das Rennen ist noch voll im Gang. Der Favorit Jason English dreht unbeirrt seine Runden. Jede knapp unter einer Stunde. Ich behaupte mich in einer 5 Mann starken Gruppe um Rang 20. Die Beine drehen bergauf ziemlich gut. Runter muss ich einsehen, dass ich doch etliche technische Defizite aufzuweisen habe.

Australien kennt keine Dämmerung. Zumindest nicht im Stromlo Forrest Park. Schlagartig wird es für die nächsten 12 Stunden stockdunkel. Hier sollte ich meine Stärke ausspielen können. Drei Stürze später und mit der Erkenntnis, dass eine einzige – zwar sehr gute – Lampe am Lenker für solch ein Rennen nicht reicht, bin ich am Boden der Realität angekommen. Nichts geht mehr. Ich eiere durch die Singletrails wie der erste Mensch, und jedes Zögern zusammen mit dem Finger am Bremshebel endet in einem weiteren Beinahe-Crash. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Frust und kommt auf. Zuhause liegen noch ein paar Lampen rum, die ich jetzt gut gebrauchen könnte. Nur bringt mir das im Moment nichts.

Mit einer ausgeliehen zweiten Stirnlampe gehts wieder zurück auf die Strecke. Immerhin hält dieses zusätzliche Licht eine ganze Runde lang. Danach herrscht wieder Dunkelheit in den Spitzkehren und  an den steilen Felsstufen. Jammern bringt nichts, also fahre ich irgendwie weiter. In den folgenden Stunden werde ich einige Ränge einbüssen, aber auch einiges an Energie auf der Strecke liegen lassen. Die 5° Aussentemperatur machen das ganze auch nicht gerade einfacher.

Sonntag, 05 Uhr

Die dunkle Nacht zerrt an meiner Konzentration und saugt damit auch noch das letzte Quäntchen Energie aus meinem Körper. In einer schwachen Minute setze ich mich kurz vor Tagesanbruch in der Boxengasse hin. Jeder einigermassen erfahrene 24h-Racer weiss, dass dies unter allen Umständen vermieden werden sollte. Es könnte das Aus bedeuten. Gönnt man dem Körper nach einer solche langen Anstrengung und total übermüdet urplötzlich aus dem Nichts eine Pause, schaltet das System ab. Und so war es dann auch.

Die nächsten Stunden verbringe ich halb komatös unter einem Wärmestrahler; mit Wolldecken eingepackt und sorgsam Überwacht von meiner «Pit-Managerin» und Krankenschwester Sonja. Immer wieder kippe ich kurz weg ins Reich der Träume. Hände, Füsse und Kopf sind eiskalt, der Körper hat auf Grundversorgung umgeschaltet. Die WM ist gelaufen. Draussen kämpfen die wirklich harten Fahrer noch immer um die Plätze. Runde für Runde vergeht.

Kurz vor Rennschluss bin ich dann eeendlich wieder einigermassen soweit, dass ich mir eine letzte Runde zutraue. Ich habe nicht ein ganzes Jahr trainiert und bin um die halbe Welt gereist, um ohne Finisher-Medaille nach Hause zu kehren. Die Runde wird ewig dauern. Aber es reicht, um auf Rang 46 wenigstens nicht Letzter zu werden.

Fazit

Mit «was wäre, hätte, wenn, denn, aber» kann man sich nun fragen, wie die WM für mich unter optimalen Umständen gelaufen wäre. Doch das nützt schlussendlich alles nichts. Es zählt einzig und allein, am Tag X perfekt vorbereitet zu sein und sein Rennen durchzuziehen. 24h-Rennen erlauben keinerlei Schwächen. Trotzdem war es eine Erfahrung und ein grossartiges Erlebnis zugleich. Ich weiss, wo die Fehler und Defizite liegen. Daraus habe ich hoffentlich gelernt. Das nächste Mal werde ich es besser machen, Versprochen! Vielleicht schon 2011, wenn die WM wahrscheinlich in Europa stattfindet. Zeit zum trainieren habe ich dieses mal jedenfalls genug.

Foto-Galerie:

Video-Live-Berichte:

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WSC24: Rang 46

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Es war nicht mein Tag: im vorderen Drittel liegend, machten mir 3 kurz nacheinander folgende Stürze in der ersten Nacht-Runde einen Strich durch die Rechnung. Erst nach 3h Pause und 23 verlorenen Plätzen machte ich mich wieder auf die Runde. In den frühen Morgenstunden musste ich wieder unfreiwillig pausieren, nachdem ich nur noch knapp aus der Boxengasse hinaus kam und nicht einmal mehr die zwei Meter hinauf zur Strecke schaffte. Eine totale Schwäche liess mich stundenlang schachmatt setzen. Doch getreu dem Motto “Never say die!” machte ich mich kurz vor Rennschluss nochmals auf zu einer finalen Runde. Schliesslich fliegt man nicht um die halbe Welt ohne danach die verdiente Medaille bei Zieleinfahrt abzuholen!

Allen, die an mich geglaubt und mich unterstützt haben sei hier mein Dank ausgesprochen.

Ein ausführlicherer Bericht folgt später.

Video-Live-Berichte:

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Vorbericht 24h-WM Canberra (AUS)

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Fabian Cancellara wird Zeitfahr-Weltmeister in Australien! Diese Nachricht hat mich heute Morgen während den unmittelbaren Vorbereitungen für mein persönliches 24h-WM-Abenteuer erreicht. Sensationell! Voller Selbstvertrauen hat Cancellara keinen Hehl daraus gemacht, dass alles andere als der WM-Titel eine Enttäuschung für ihn sei.

Nun; auch ich reise nach Australien an eine WM. Aber nicht um zu gewinnen, sondern um endlich – 15 Monate nach meinem letzten 24h-Rennen und 12 Monate nach meinem Unfall – wieder an einem 24h-Rennen zu zeigen, dass auch nach solch langer Renn-Abstinenz noch mit mir zu rechnen ist! Mithalten, kämpfen und bis zum Schluss durchbeissen! Und wenn nichts was ich nicht beeinflussen kann schief geht,  werde ich danach hoch erhobenen Hauptes auf ein Combeback-Jahr voller Entbehrungen, hartem Training (danke Lars!), Rückschlägen und Erfolgserlebnissen zurückblicken können. Diese einmalige Chance, mit einer Wildcard an den “World Solo 24hour Championships” teilnehmen zu können, erachte ich als Privileg – und dafür war und bin ich bereit, alles zu geben!

70 Fahrer stehen in meiner Kategorie “Elite” am Start. Über 400 sind es insgesamt alle Altersklassen miteingerechnet. Etliche davon sind Profis und verdienen ihren Lebensununterhalt damit. Ein riesen Event, verglichen mit den 24h-Rennen in Europa. Auch die Strecke ist von ganz anderem Kaliber. 19km und 500hm misst die technisch nicht einfache Runde quer durch die Büsche vom Mt. Stromlo (2009 fand dort übrigens auch die XC-WM statt). Schatten ist praktisch nicht vorhanden; aber bei den momentanen Wetteraussichten für Australien ist das auch nicht so tragisch. Tagsüber wird es voraussichtlich nicht über 20°C und Nacht sind Temperaturen um den Gefrierpunkt prognostiziert.

Morgen Freitag starten wir unsere Reise nach Australien. Zusammen mit meiner Freundin habe ich dann noch ein Woche Zeit, mich zu akklimatisieren und die letzten Vorbereitungen zu treffen. Drei Tage vor dem Rennen treffen wir dann noch auf Andrea Kuster, welche bei den Elite Frauen versuchen wird, um den WM-Titel zu kämpfen. Und während dem Rennen teilen wir uns einen gemeinsamen Platz in der Boxengasse.

Wir werden versuchen, Euch vor, während und nachd dem Rennen möglichst Up-to-Date zu halten. News gibts auf dieser Website unter hammermann.ch/wsc24/

Untenstehend ein paar Fotos von der Rennstrecke.

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World Solo 24 Hour MTB Championships

Jetzt ist es offiziell: am 9. Oktober 2010 stehe ich in Canberra/Australien am Start zu den «World Solo 24 Hour MTB Championships»!

Weltmeisterschaften. Downunder. Das höchste aller Ziele in der 24h-Szene.  Wer mitmachen will, muss sich qualifizieren. Oder kriegt wie an der Tour de France eine der begehrten Wildcards. Und ich bin dabei. Darum ordne ich diese Saison komplett und einzig allein diesem einen Wettkampf unter. Alles andere ist Zugabe. Ich will in Canberra zeigen, was ich kann. Dafür gebe ich alles, dafür lohnt es sich zu trainieren und den Unfall von letztem Herbst vergessen zu machen. Stay tuned!

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Vorbericht im Australischen TV

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Filmtipp: 24solo

Interessanter Film für alle, die schon immer mal wissen wollten, wie es an einem 24h-Rennen in Übersee so zu und her geht…

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