Lange ist’s her seit ich bei einem 24h-Rennen um den Sieg mitfahren konnte. Genauer gesagt zwei Jahre. Dazwischen habe ich mit meinem Kopf, dem Körper und vielem anderen gehadert. Eigentlich wollte ich ja schon letztes Jahr an der WM mein letztes 24h-Rennen bestreiten. Da es mir dort aber nicht wie gewünscht gelaufen ist, musste wohl oder übel noch ein letzter Versuch herhalten um die Statistik etwas aufzubessern bzw. ich mit einem guten Resultat die 24h-Karriere beenden konnte.
So traf es sich auch ganz gut, dass ich nun auch noch das letzte aller je in der Schweiz ausgetragenen 24h-Rennen in mein Palmares aufnehmen konnte und die Liste nun komplett ist. Reconvillier im Berner Jura sollte ein zwar kleines, aber nicht minder hartes Rennen werden: 250hm am Stück auf 7km Rundenlänge versprachen saure Beine und eine brennende Lunge.
Das Starterfeld war überschaubar und ich rechnete insgeheim schon bei der Startnummernausgabe mit einem Podestplatz. Doch die Vergangenheit hat mich auch einiges gelernt: abgerechnet wird erst nach 24 Stunden. Punkt. Die Zeit zwischen dem Start am Samstag und dem Ziel am Sonntag ist eine reine Quälerei. Jeder, der was anderes erzählt, lügt. Nur wer bereit ist, seinen Körper und Geist bis zum letzten zu schinden, wird die Plackerei bis zum Schluss durchstehen.
Da die Strecke technisch eher zu den einfacheren gehören durfte, bin ich ohne Besichtigung derer am Start gestanden. Es ist ja noch genug Zeit, die Schlüsselstellen für die Nacht zu finden… So ging es auch gleich zügig los; den zwei erstplatzierten des letzten Jahres war ich wohl nicht gerade unbekannt. Jedenfalls liessen sie mich von Beginn weg nicht aus den Augen. Sie wussten wahrscheinlich auch um meine bewährte (aber auch gefährliche) Taktik: «zu Beginn möglichst schnell starten – den Vorsprung muss die Konkurrenz erst mal wieder aufholen».
Ausnahmsweise wählte ich heuer aber die sicherere Variante und bin das hohe Tempo nicht mitgegangen. So tummelte ich mich die ersten 6 Stunden immer so um Rang 3 und 4 herum. Die Startphase ist für mich eh immer eine schwierige Zeit. Es ist alles hektisch, es liegt noch soo viel vor einem und irgendwie will es einfach nicht Abend werden…
Abends um neun dann der erste kurze Halt, um wärmere Kleider anzuziehen und das Licht zu montieren. Kurz darauf war ich auch schon auf dem zweiten Rang. Dachte ich’s mir doch! Ein, zwei Fahrer überzocken immer wieder in den ersten Stunden. Und solch ein Rennen ist halt nicht nach einem schönen Samstagnachmittag zu Ende, sondern fängt erst Sonntag Nacht an!
Die Nacht verlief unspektakulär. Ich fuhr mit konstantem Abstand dem führenden hinterher. Gegen die Morgenstunden hatte ich dann aber doch arg mit der Müdigkeit zu kämpfen. Teilweise bin ich fast vom Bike gefallen und die Augen konnte ich nur noch mir Mühe und Not offen halten. Bei Tagesanbruch fand mein Körper dann wieder den gewohnten Rhythmus und für einen kurzen Augenblick war ich sogar überzeugt, noch auf den ersten Platz fahren zu können. Doch die bekannte Weisheit hat sich auch hier wieder mal bewahrheitet: «was du am Anfang verlierst, holst du am Schluss nicht mehr ein».
So bin ich ungefährdet und stresslos die letzten Runden meiner 24h-Karriere gefahren. Ich konnte mir kurz vor Schluss sogar eine längere Pause leisten bzw. den Konkurrenten ein paar Runden schenken ohne dabei meinen Platz preiszugeben.
Schlusspunkt
Jetzt ist also endgültig Schluss mit 24h-Solo-Rennen. Ich bin zehn Jahre lang auf der halben Welt gute 1000 Runden an Rennen gefahren welche immer gleich lange dauerten: mörderische 24 Stunden! Ich habe viel gelernt, viele Hochs und Tiefs erlebt. Hektoliterweise Sportgetränke getrunken und Kiloweise Powergels verdrückt. Die meisten werden wohl nie verstehen können was es heisst, sich solche Rennen anzutun. Die Sprintdisziplin unter den Ultrawettkämpfen ist lang, aber doch zu kurz um es gemütlich zu nehmen. Eine Mischung aus Hektik und endlosen Stunden. Unter optimalen Bedingungen konnte ich mich jeweils bis zum letzten quälen – nicht mehr fähig, danach noch irgend eine Treppe zu laufen oder sogar feste Nahrung aufzunehmen. Aber die Freude und Befriedigung Tage später waren dann immer am grössten! Dafür habe ich gelebt. Ich beende nun diese Episode. Was ich erlebt habe, kann mir Niemand mehr nehmen – darauf bin ich unglaublich stolz!
Und immer schön dran denken: «There’s no Superman!»



Kommentar by mueller // 28. Juni 2011 @ 12:26
hallo Pascal,
wir gratulieren dir ganz herzlich.Deine Ausdauer und dein Wille haben sich doch noch gelohnt und du kannst mit einem tollen Resulat abschliessen. Das hast du dir verdient.Bravo!!!!
Liebe Grüsse Mami und Papi
Kommentar by Daniel // 30. Juni 2011 @ 02:46
Ciao Pascu
Auch von uns eine riesige Gratulation. Wir haben all deine 24h quälereien mitverfolgt und immer respektvoll den Hut vor deiner Leistung gezogen. Beste Grüsse aus dem Bikemeka Canada.
Daniel & Yvonne
Kommentar by Margrit Crottogini // 8. Juli 2011 @ 21:07
Hallo Pascal hallo Superman, was du in deinem Sport alles erlebt hast, weisst nur du alleine, ja…. dass kann dir niemand nehmen, diese Geschichten gehören nun zu dir. Ich möchte dir gaanz herzlich zu deinem 2. Rang gratulieren. Ich mache dir einen grossen “Knigs” vor dir, für alles was du geleistet hast, Sportlich, Körperlich, Mental. Behalte dies schönen Erinnerungen… Ich werde immer wieder an dich denken. Liebi Grüess us Oberarth Margrit
Kommentar by Rickli samuel // 25. Juli 2011 @ 12:25
he du tüfel
gratuliere der zim sieg, denn du besch en sieger, för mech ganz bestimmt. heb der sorg und i denke du wersch sowieso weder ufem velo si, wenn und wie au immer. jetzt hesch sogar zit am dornstig cho bike met üs…….
lg sämi
Pingback by Aus- und Rückblick « Pascal Müller – Official Website – Hammermann Racing // 25. Dezember 2011 @ 10:35
[...] allein der Vorbereitung diente, fuhr ich mich in Form. Das letzte 24h-Rennen meiner Karriere in Reconvillier fuhr ich in gewohnter Manier nach Schema X von A-Z durch. Ein veröhnlicher zweiter Platz war der [...]