Der heutige Tag begann schon morgens um drei. Langsam bin ich es mich ja gewohnt, früh aufzustehen... Da der erste Startblock für die Pros und andere priviligierte Spezies reserviert ist, musste ich mich schon früh anstellen, um nicht schon zu Beginn des Rennens in aussichtsloser Position irgendwo im Niemandsland der hintersten Startreihen zu sein. Was natürlich auch bedeutete, dass ich fast eine ganze Stunde im Startblock stand bevor es los ging. Ein letztes Stückchen Heimat in Form eines "Biberli" musste als Henkersmalzeit herhalten.
Pünktlich um 5 Uhr fiel der Startschuss und die Meute stürmte im Halbdunkel dem ersten Asphaltanstieg entgegen. Ich konnte mich gut in der ersten Gruppe halten und die ersten zwei Rennstunden vergingen im Flug. Der Tag versparch grosse Taten...!
Mit den ersten Sonnenstrahlen kam auch schon wieder die Hitze und ich musste merken, dass Training und Rennen in diesen Breitengraden noch einmal zwei total unterschiedliche paar Schuhe sind. Die ersten zwei Trinkflaschen waren schon bald leer und ich erwartete sehnsüchtig den ersten Checkpoint zum auffüllen der Bidons. Inzwischen hatten wir schon die ersten tausend Höhenmeter hinter uns und die gefürchteten Abschnitte im knietiefen Schlamm machten ihre Aufwartung. Was jetzt kam, war nicht mehr Mountainbiken, sondern eine einzige 2stündige Tortour zu Fuss durch den Morast. Die einzige und sehr willkommene Abwechslung zu den teils extrem steilen und schlipfrigen Schlammfeldern waren die unzähligen Bäche, wo man sein Bike und sich selber einer Vollwäsche unterziehen konnte. Wenigstens für die nächsten 20 Meter war das Vorwärtskommen dann wieder einigermassen erträglich.
Danach wir ich völlig platt und ich hatte Mühe, mich noch konzentrieren zu können auf den Abfahrten. Schliesslich waren auch diese nicht ohne und man rutschte einfach nur unkoordiniert irgendwie den Berg runter. Jetzt bemerkte ich auch plötzlich noch einen unglaublichen Schmerz in meiner rechten Wade. Wenn das nur nichts schlimmes ist...
Die nächsten 1300hm am Stück musste ich mich nur so hinauf quälen. Gefühlsmässig total dehydriert und auch nervlich total am Ende ging es gegen Schluss in der Gluthitze der Mittagssonne eine Asphaltstrasse hoch. Etliche andere Fahrer überholten mich hier, ich konnte einfach nicht mehr, und ich brauchte fast die ganze Strassenbreite um oben anzukommen.
Nach 8 Stunden, 110km und fast 5500hm dann die Erlösung: der Zielbogen! Heute hats trotz riesen Einbruch und Megakriese doch noch zum 12. Rang in meiner Kategorie gereicht. Anscheinend hatten auch andere Mühe mit der Monsteretappe...
Im Ziel brauchte ich erst mal ein, zwei Stunden bis ich wieder fähig war, mich einigermassen koordiniert zu bewegen. Dann war natürlich das obligate herrichten des Bikes für den nächsten Tag angesagt (das Teil sieht schon aus wie nach einem Jahr Dauereinsatz...), Essen und Duschen.
Mit Kleinbussen wurden wir dann nach San Jose ins Hotel gefahren. Das Hotelzimmer teile ich nun die nächsten 3 Tage mit Patrick Mosler, einem super netten Typen. Gemeinsam hauen wir uns im lokalen "Gourmet"-Fresstempel noch ein Abendessen rein, bevor es schon abends um 8 in die Federn geht.


