29. Juni 2008

Die 24h-Hölle von München

muenchen by night


Der erste Saisonhöhepunkt ist vorbei - das 24h-Rennen von München. Mit Insgesammt über 2000 Teilnehmern eines der Grössten in Europa. Alleine in der Single-Kategorie waren 113 Athleten am Start.

Es ging mir aber nicht ganz so gut wie erhofft - ein Top-5-Ergebniss war als Ziel gesetzt. Ein Sonnenstich nach ca. 6h zwang mich aber zu einer unfreiwilligen 4-Stündigen Pause. Den Tränen nahe sah ich schon das ganze Unternehmen abgebrochen. Nachts um zwei fuhr ich dann aber wieder weiter - und wie! Mit einer imensen Willensleistung und einem Kraftakt sondergleichen fuhr ich Runde um Runde mit Top-Zeiten. Vom mittlerweile 92. Zwischenrang kämpfte ich mich so kontinuierlich auf den 17. Schlussrang vor. Diese Stunden bin ich das Rennen meines Lebens gefahren, und darauf bin ich stolz. Leider hat mich die Hitze wohl an einem grösseren Erfolg gehindert, aber das gehört nun mal zum Sport dazu.


Es war noch fast mitten in der Nacht, als wir am Samstag Richtung München losfuhren. Das Auto war bis unters Dach vollgepackt mit allem, was man an einem 24h-Rennen so braucht: Bike (natürlich...), Ersatzmaterial, Kleider, Unmengen an Esswaren, viel, viel Wasser, ein Pavillon-Zelt - damit auch die Betreuer etwas Schatten haben, und, und, und...

Nach knapp 4h waren wir vor Ort. Doch als Landeier haben wir uns natürlich um München rum kurzzeitig verfahren! Dafür wissen wir jetzt immerhin, wie es auf der anderen Seite der Stadt aussieht. 

Im Olympiapark war schon ziemlich was los, über 2000 Athleten mit Ihren Betreuern wollten sich einen guten Standplatz sichern. Als Teilnehmer in der Single-Kategorie hatten wir natürlich Anrecht auf einen bevorzugten Platz in der Boxengasse direkt oberhalb des Olympiastadions!  Dann galt es, die Runde zu inspizieren. Es war schon ziemlich heiss und die Strecke zeigte sich nicht gerade von der schattigen Seite. Heisst: ca. 200m im Wald, der Rest an der prallen Sonne!

Wer jetzt denkt, so eine Runde im Olympiapark sei nichts wildes, der täuscht sich. Fahrtechnisch zwar auf unterstem Niveau mit viel Asphalt, Kieswegen und Wiese,  topografisch dafür umso härter: etwas über hundert Höhenmetern verteilt auf unzählige kurze, steile Anstiege, die einem die letzte Kraft rauben. 

 

13:00 - Start

Inmitten einer Horde Wilder (113 Einzelstarter) ging es in der prallen Mittagssonne los. Leider war ich schon beim Start relativ weit hinten eingereiht und ich musste mich erst mal an den weniger ambitionierten aber doch auch mit Ellbogen um jeden Platz kämpfenden Fahrern vorbei drängen. Und eins war jetzt schon klar: langsam fahren gibt es nicht! Das Tempo war schon jetzt  (zu) hoch, irgendwie wollte mein Diesel noch nicht recht zünden. Egal, ich fuhr einfach meinen Rhytmus.

 

16:00 - Die erste Krise

3 Stunden Fahrzeit und die ersten Probleme machten sich schon bemerkbar. Hitzefrei wäre das Richtige Stichwort in diesem Moment gewesen. Denn langsam aber sicher überhitzte ich trotz Kühlung mit Liquid-Ice und ausreichendem Trinken. Es fiel mir sichtlich schwer, die Pace zu halten und ich wurde zunehmends träger.

 

20:00 - Noch immer heiss

Der Brutkasten München wurde immer wärmer. Ich hatte mit Schwindelgefühlen und Energielöchern zu kämpfen. Und irgendwann ging gar nichts mehr. Sonnenstich! Eine kurze Pause und ein letzter Versuch, nochmals eine Runde zu fahren. Doch es wurde nur noch schlimmer und mein Körper rebellierte gegen jede Anstrengung und vor allem gegen die Hitze. Den Tränen nahe musste ich eine unfreiwillige Pause einlegen. Aber eines war klar: das Unternehmen 24h München sollte hier sicher kein vorzeitiges Ende finden! Wir beschlossen darum ganze 4h zu pausieren. Sicher ist sicher. Denn ankommen war jetzt an erste Stelle gerückt. Die Platzierung war (momentan) kein Thema mehr.

 

02:00 - Rang 92

Die Nacht brachte Kühlung - und die Wiederauferstehung! Gut erholt habe ich mich wieder auf die Runde gemacht. Die Ernüchterung kam aber postwendend: 92. Zwischenrang. Fast letzter, autsch! So weit hinten wollte ich aber nun auch wieder nicht in die Geschichte dieses Rennens eingehen. Darum gab es nur eines: durchfahren und retten was noch zu retten ist!

 

04:00 - 40 Ränge gut gemacht

Es lag wohl daran, dass in dieser Gegend der Rangliste der gemeine Athlet nachts pausiert. Mir egal, denn so konnte ich Plätze gut machen. Angetrieben vom stündlich durch meine Betreuer mitgeteilten Zwischenresultat fuhr ich nun wie ein Uhrwerk der Morgendämmerung entgegen. Bei Tagesanbruch war ich schon in die ersten 35 vorgestossen. Ab jetzt würde es wohl wieder schwieriger werden.

 

09:00 - Die Spinner sind wieder unterwegs

Wenn die Sonne wieder scheint, spielen wieder alle verrückt. Kaum ist die Nacht hinter einem gelassen fahren sie wieder wie die verrückten und man wird fast von der Strecke geschossen. Die Teams hatten jetzt die letzten Reserven mobiliisiert um die letzten 4 Rennstunden nur noch Rekord-Rundenzeiten zu fahren. Dementsprechend waren wir Einzelfahrer als ungeliebte Hindernisse auf dem Parcours unterwegs. Was solls, die Wärme machte sich eh wieder breit und ich hatte genug damit zu kämpfen, nicht wieder den Hitzetod zu sterben. 

 

11:00 - Aufregung in der Boxengasse

Meine Aufholjagd hat auch bei den Betreuern meiner Konkurrenz schon die Runde gemacht, und ich erntete bei jeder Durchfahrt durch die Boxengasse ungläubige Blicke. Niemand verstand so recht, wie dieser irre Schweizer - Stunden zuvor halb tod - nun Rang um Rang gut machte. So schnell wie in der Nacht ging es aber jetzt auch nicht mehr. Doch kontinuierlich überholte ich Fahrer um Fahrer vor mir.

 

12:00 - Cola

Cola, nichts als Cola goss ich mir die letzten Runden die Kehle runter. Und jede Runde bekam ich  noch eine halbe Flasche Wasser über den Kopf geschüttet. Es war wieder brutal heiss, doch das Ziel war auch nah!

 

12:56 - letzte Runde

Da ich die letzten paar Runden enorm schnell gefahren bin, reichte es mir noch kurz vor Zielschluss auf eine letzte Runde. Diese fuhr ich mehr oder weniger gemütlich - knapp 2 Minuten langsamer als die vorhergehenden... 

 

Und dann endlich: ZIEL! 40 Runden sind es geworden. Rang 17 von 113 gestarteten. 4h davon pausiert. Unzählige Liter Wasser verloren und 24h lang die gleichen Socken an...

 

Nachlese

Dieses Rennen hat mir wieder mal gezeigt, dass man durch den Willen Berge versetzen kann. Nach den Hitzeproblemen am Samstag konnte ich mich nochmals erholen und aufraffen und auf Teufel komm raus aus einer schier aussichtslosen Position noch in die Top-20 fahren. Wo Wille ist auch ein Weg - auch wenn es manchmal viel Substanz kostet. 

 


1 Kommentar

  1. Kommentar by Daniel (Bike-Opfer von Chregu ;-) ) // 30. Juni 2008 @ 08:57

    Riesen Gratualtion !
    Wir haben gestern an dich gedacht. Bin selber fast den Hitzetod gegangen ;-)
    Aber einfach toll was du da noch geleistet hast! Und wie sagt man so schön: nur aus Fehler und Rückschlägen kann man lernen und noch besser werden!
    Und wer nach einer 4-Stündigen Pause noch in die Top-20 fährt, der hat schon verdammt viel gelernt und hat ein wahnsinns Potzential!
    Einfach Super Gratuliere !!! Auf das werden wir noch mit einem kühlen Bier anstossen!


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