29. September 2008

3. Platz in Rom!

leicht staubig...

Endlich! Das dieses Jahr so lang ersehnte Resultat in meiner Paradedisziplin wurde Wirklichkeit! Fast 22 Stunden lang war ich sogar auf dem 2. Platz. Schlussendlich reichte aber die Kraft nicht mehr, um den Rang zu halten, da mir ein Federgabeldefekt zu Beginn des Rennens langsam aber sicher zu schaffen machte - die Strecke war einfach zu hart um mit einer quasi Starrgabel dieses Tempo durchzustehen.

Das Abenteuer Rom startete für mich schon letzten Donnerstag Abend. Zusammen mit einem meiner härtesten Konkurrenten, Christian Burri, bin ich mit dem Nachtzug nach Rom gefahren. Wir hatten beide ziemlich viel Gepäck dabei und es wurde doch recht eng in unserem Abteil. Noch enger wurde es dann aber in Rom auf der Weiterfahrt mit der U-Bahn zum Hotel. Nach einer Lektion in italienischen Fluchwörtern waren wir froh, endlich das Hotel etwas ausserhalb Roms, dafür direkt an der Rennstrecke beziehen zu können.

Da wir nicht alle paar Tage in Rom sind, haben wir uns den Freitag Vormittag mit der Besichtigung der wichtigsten Sehenswürdigkeiten um die Ohren geschlagen. Nach der ersten Pizza zum Mittagessen musste aber doch noch etwas mehr Futter her. Also wurde kurzerhand (15 Minuten Fussmarsch!) der nächste Supermarkt geplündert. Danach das übliche Programm: Streckenbesichtigung, den ersten Platten einfangen, Startnummern holen, Abendessen, viel schlafen...

Der Samstag begann mit einem wirklich sehr mickrigen Frühstück. Darum musste ich schon von meinem Rennproviant etwas anbrauchen. Da wir nur 10 Minuten von der Strecke entfernt nächtigten konnten wir uns ohne Hektik irgendwann am Vormittag in der Boxengasse einrichten. Mittlerweile sind auch meine Betreuer Tinu und Sandra eingetroffen. Es kann also los gehen!

Der Start wird wie üblich in Le-Mans Manier abgehalten, d.h. man muss erst ein paar Meter rennen und dann erst mit dem Bike losfahren. In Italien geht das alles ziemlich chaotisch von statten, den Startschuss habe ich jedenfalls nicht wirklich wahrgenommen. Irgendwann gings einfach los und man musste sich im allgemeinen Trubel der mehreren Hundert Starter sein Bike suchen.

Ich kam ziemlich gut weg und fuhr die ersten zwei, drei Runden in alleine in Führung, ehe mich der spätere Sieger schon ein- und überholte.
Der Rundkurs war nur 7.6km lang und praktisch ohne Höhenmeter. Einzig ein paar Singletrails vermochten einen zu bremsen. Ansonsten ging es mit Vollgas und Kette rechts über die harte Wellblech-Piste. Das Wetter war zum Glück angenehm kühl, nur etwas über 20 Grad. Nicht auszudenken, wie es auf der praktischen schattenfreien Strecke bei Sommerlichen Temperaturen gewesen wäre!

Nach etwa 2 Rennstunden und schon fast 8 Runden dann die erste Unsicherheit: irgendwie tut die Gabel nicht richtig. Doch in der hektischen Anfangsphase macht man sich noch nicht so grosse Gedanken über solche Sachen und fährt erst mal weiter. Ich merkte aber dann doch schnell, dass die Federung einfach nicht mehr auf die vielen feinen Schläge reagiert und kurz darauf war auch klar warum: Ölverlust! Viele Telefonate von meinen Betreuer später war klar, wir fahren einfach mal weiter. Eine neue Gabel kriegen wir so schnell nicht her und die Konkurrenz ist mir dicht auf den Fersen.

Abends um sieben dann die erste ganz kurze Pause: Licht montieren, warme Kleider anziehen, ...weiter! Ab jetzt wäre ich eigentlich in meinem Element gewesen: in der Nacht fahre ich meist stark und unbeindruckt von der Dunkelheit. Doch die nunmehr komplett ausgefallene Gabel fordert Tribut von meinem Körper: die Arme und Hände Schmerzen; teilweise kann ich kaum mehr den Lenker halten, der erste Bluterguss auf der Handinenfläche macht sich bemerkbar. Die Schläge sind einfach zu stark und die Gabel zu hart. Nachts um elf dann die Lösung: Stefan Hutmacher, ein weiterer Schweizer, gibt auf. Sofort schicke ich Tinu los, er solle ihm seine Gabel geben, damit wir meine austauschen können. In einer wohl noch nie dagewesenen Geschwindigkeit haben wir dann zwei Runden später zu dritt meine defekte Gabel ausgetauscht. Es konnte wieder weiter gehen. Ohne diese Aktion hätte ich wohl kurze Zeit später auch aufgeben müssen.

Sichtlich gezeichnet vom vielen Staub und der wirklich brutal harten Strecke begann ich gegen Morgen langsam zu straucheln und die erste richtige Krise machte sich breit. Die Schmerzen waren auch trotz neuer Gabel noch immer da und wurden nicht weniger. Zudem wollte es einfach nicht mehr Tag werden... Sekundenschlaf auf dem Bike ist nicht das, was ich eigentlich wollte. Erst nach fast 12stündiger kompletter Dunkelheit kam die Sonne wieder raus. Endlich! "Nur" noch 5 Rennstunden und ich bin immer noch sicher auf dem zweiten Zwischenrang. Dachte ich jedenfalls. Denn ich wurde immer langsamer, konnte mich kaum mehr richtig auf dem Bike halten. Alles schmerzte. Mittlerweile waren sogar die Hände taub. So kam es, dass kurz vor Schluss Christian Burri noch an mir vorbeizog. Just in diesem Moment dann auch noch einen Platten! Das durfte nicht wahr sein!!! Mit letzter Kraft und dem allerletzten Quäntchen Motiviation versuchte ich nochmals zwei Runden lang Christian aufzuholen. Aber es war nichts mehr zu machen. Wenigstens war mir der dritte Rang sicher. Der viertplatzierte Australier Morgan Pilley hatte zu viel Rückstand um mir noch gefärhlich zu werden.

Insgesammt bin ich aber trotzdem überglücklich mit dem Resultat. Ich konnte mich in einem starken Teilnehmerfeld beweisen und lange ein hohes Tempo fahren. Und Defekte gehören nun einfach mal dazu hier... Danken möchte ich meinen zwei super Betreuern für ihren selbstlosen Einsatz, das war einfach suuuper!

Wie sagte schon der Vater aller 24-h-Racer:
"This sport is so hard, you can't do it for a paycheck"

Bilder folgen...


4 Kommentare

  1. Kommentar by Schüepp Nicole // 29. September 2008 @ 21:47

    Wow, ich freue mich ganz toll über dein Superresultat, herzliche Gratulation!!!
    Dis Schwöschterli

  2. Kommentar by Michel Godart // 1. Oktober 2008 @ 20:23

    Bravo Hammermann!

    gratuliere dir zu dieser mega-leistung, so kannst du doch noch versöhnlich auf das sportjahr 2008 zurückschauen.

    gruess michel

  3. Kommentar by Christoph Strasser // 21. Oktober 2008 @ 09:32

    Hi Pascal!
    Gratuliere zur tollen Leistung die du trotz der großen Probleme vollbracht hast. Fahr doch öfter mal in Österreich ein Rennen mit, das macht hart ;-)
    Wie ihr die Gabel ausgetauscht habt würde ich gerne sehn, grandios!

    Grüße aus Österreich, Christoph

  4. Kommentar by Tom // 29. Oktober 2008 @ 16:43

    Super Resultat. Wenn du einen Sponsors suchst und vernünftige Vorstellungen hast, kannst du dich ja mal bei uns melden.


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